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Streit ums Spielzeug: So löst du den Konflikt ums Teilen
Ein lautes „Meins!“ hallt durchs Zimmer, Tränen fließen, und schon ist er da – der klassische Streit ums Spielzeug. Ein Kind reißt dem anderen das Auto aus der Hand, und du stehst mittendrin. Diese Situation kennst du sicher nur zu gut. Sie ist anstrengend und frustrierend, aber wir versprechen dir: Du und deine Kinder könnt lernen, diese Momente friedlicher zu gestalten.
Warum „Teilen“ für kleine Kinder so schwer ist
Zuerst das Wichtigste: Wenn dein Kleinkind nicht teilen will, ist das kein Zeichen von Egoismus, sondern ein völlig normaler Entwicklungsschritt. Für Kinder in diesem Alter ist ein Spielzeug oft mehr als nur ein Gegenstand. Es ist eine Erweiterung ihrer selbst. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und die eigenen Impulse zu steuern, entwickelt sich erst noch. „Nicht teilen“ bedeutet also oft: „Ich muss meine eigene kleine Welt und meinen Besitz schützen.“
Dein 4-Schritte-Plan für akute Konflikte
Wenn es kracht, kannst du mit Ruhe und klaren Schritten eingreifen:
- Stopp & Sicherheit: Geh dazwischen, um den Streit zu unterbrechen. Sorge dafür, dass niemand verletzt wird, und nimm das umstrittene Spielzeug kurz an dich.
- Gefühle spiegeln: Gib den Gefühlen beider Kinder Raum und benenne sie. Das hilft ihnen, sich verstanden zu fühlen.
- Regeln & Alternativen: Erkläre die Regel („Wir reißen nichts aus der Hand“) und biete eine Lösung an. Das Ziel ist nicht, das Teilen zu erzwingen, sondern eine faire Alternative zu finden.
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Nachbereitung: Sobald sich die Gemüter beruhigt haben, könnt ihr kurz darüber sprechen, was passiert ist, und ein positives Ritual etablieren, zum Beispiel eine gemeinsame Umarmung.
6 Sätze, die dir im Konflikt helfen
Hier sind ein paar konkrete Formulierungen, die du nutzen kannst:
- „Stopp! Ich sehe, ihr streitet euch. Ich helfe euch.“ (Schritt 1)
- „Du bist wütend, weil Leo dir das Auto weggenommen hat.“ (Schritt 2)
- „Du wolltest das Auto unbedingt haben und bist traurig, dass du warten musst.“ (Schritt 2)
- „Wir reißen uns nichts aus der Hand. Frag bitte, wenn du etwas haben möchtest.“ (Schritt 3)
- „Anna spielt jetzt noch kurz. Schau mal, hier ist der Bagger, mit dem du spielen kannst.“ (Schritt 3)
- „Wollen wir zusammen eine Lösung finden? Vielleicht könnt ihr tauschen?“ (Schritt 3)
So beugst du Streitigkeiten vor
Du kannst auch im Vorfeld viel tun, um die Konflikte zu reduzieren:
- Der Timer-Trick: Ein Eieruhr oder ein Sandtimer kann helfen. Jedes Kind darf spielen, bis die Zeit abgelaufen ist. Das macht den Wechsel vorhersehbar.
- Spiel-Zonen einrichten: Manchmal hilft es, wenn jedes Kind seinen eigenen kleinen Bereich hat, in dem es ungestört spielen darf.
- Besondere Schätze schützen: Jedes Kind darf ein oder zwei „Herzensspielzeuge“ haben, die nicht geteilt werden müssen. Diese kommen weg, wenn Besuch da ist.
- Das Auswahlprinzip: Lass dein Kind vor dem Spielen mit Freunden selbst entscheiden, welches Spielzeug zum Teilen bereitgestellt wird.
Diese kleinen Konflikte sind anstrengende, aber wertvolle Lernmomente. Sie sind Teil des großen Abenteuers, eine Familie zu werden und zu sein. Jeder gelöste Streit legt einen Grundstein für eine starke und liebevolle Geschwisterbeziehung.
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